In meinem letzten Beitrag ging es um „Anker“. Darum, wie wichtig es ist, in stressigen Phasen einfach nur das Nötigste zu halten, wenn das Leben mal wieder dazwischengrätscht. Anker bewahren das Schiff davor, abzutreiben. Aber wenn man wirklich vorankommen – oder in meinem Fall: auf einer Meisterschaft antreten – will, reicht es irgendwann nicht mehr, nur auf der Stelle zu stehen. Dann müssen die Segel wieder gesetzt werden.
Der Weckruf für mich? Die Bayerische Meisterschaft im Kraftdreikampf.
Damit ich dort in der Klasse unter 93 kg antreten durfte, war klar: Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Die Arbeitsprioritäten (und davon gibt es als IT-Architekt in Vollzeit mehr als genug) durften nicht mehr die einzige Nummer 1 am Tag sein. Die Struktur musste zurück in den Vordergrund.
Struktur im Teller, Ruhe im Kopf
Die erste Baustelle war die Ernährung. Es ging nicht um eine extreme Crash-Diät, sondern um Verlässlichkeit. Das hieß konkret: Wieder konsequent mein selbstgemachtes Müsli oder den Früchtequark am Morgen essen. Die Mittagspause auch wirklich als Pause nutzen, statt das Essen ausfallen zu lassen, und abends rechtzeitig und vernünftig kochen.
(Am Rande: Zur mentalen Hygiene habe ich in dieser Phase auch wieder mit dem Meditieren angefangen. Da meine alte App eingestellt wird, bin ich gerade dabei, mich in neue Alternativen wie 7mind reinzufuchsen – noch nicht ganz regelmäßig, aber der Anfang ist gemacht.)
Mein Trainings-Hack: 6x 30 statt 3x 90 Minuten
Das größte Hindernis war aber das Training selbst. Mein bisheriger Plan sah drei Einheiten pro Woche vor, jeweils 90 Minuten. Abends in ein völlig überfülltes Gym zu rennen, wenn der Arbeitstag ohnehin schon lang war? Keine Chance. Das war mit meinen Aufgaben einfach nicht mehr vereinbar.
Also habe ich mich mit meinem Trainer zusammengesetzt und wir haben das System komplett auf den Kopf gestellt: Statt dreimal 90 Minuten trainiere ich jetzt sechsmal pro Woche, habe dafür aber nur drei Übungen pro Einheit.
Das Ergebnis ist fantastisch. Oft bin ich nach 30 Minuten schon durch. Obwohl ich nun häufiger den Aufwand mit Pendeln und Umziehen habe, lässt sich eine halbe Stunde perfekt in die Mittagspause integrieren. Ich brauche keine riesigen Zeitblöcke mehr freizuräumen, entgehe dem abendlichen Fitnessstudio-Wahnsinn und – das Wichtigste – es macht einfach wieder richtig Spaß, in einer völlig neuen Struktur zu trainieren!
Der Wiege-Krimi: 300 Gramm Nervenkitzel
Die letzten zwei Wochen vor dem Wettkampf waren ein ständiger Blick auf die Waage. Passt die Richtung? Muss ich noch anziehen? Am Morgen der Meisterschaft zeigte die Waage zu Hause 92,6 kg. Absolut im Plan.
Doch beim Wettkampf selbst wurde es noch mal kurz unruhig: Es machte die Runde, dass die offizielle Waage gut 300 Gramm mehr anzeigt als die meisten Heimwaagen. Rechnerisch wäre ich damit haarscharf an der 93-kg-Grenze gewesen. Hätte meine Waage zu Hause auch nur minimal zu wenig angezeigt, wäre es eng geworden. Aber mein eingebauter Puffer hat sich gelohnt: Das offizielle Ergebnis war 92,86 kg.
Wie ich danach zu meinem Trainer sagte: „Die aufregendste Hürde für heute ist genommen, jetzt beginnt der Spaß.“
Der Wettkampf: 3 Disziplinen, 25 Kilo mehr
Und der Spaß begann.
Kniebeuge:
Ich bin mit sicheren 140 kg eingestiegen. Prompt gab es ein rotes Licht der Kampfrichter. Der Grund: Ich hatte nach dem Startkommando noch mal kurz den Fuß bewegt – ein Anfängerfehler, den ich schlicht nicht kannte. Da die anderen beiden Richter aber Weiß gaben, war der Versuch gültig. Im zweiten Versuch beugte ich 155 kg (3x Weiß!). Die 162,5 kg im dritten Versuch waren dann leider ungültig (nicht tief genug), aber die 155 kg standen. Das waren bereits 10 kg mehr als bei der Oberbayerischen im Mai.
Bankdrücken:
Meine ewige Schwäche. Ich bin mutig mit 80 kg eingestiegen und habe sie problemlos gedrückt (3x Weiß). Der zweite Versuch mit 90 kg brachte ebenfalls drei weiße Lichter, aber ich merkte, dass hier heute das absolute Limit war. Die 92,5 kg im dritten Versuch wollten dann auch nicht mehr hoch. Trotzdem: 5 kg mehr als im Mai!
Kreuzheben:
Hier hatte ich zuletzt im Training mental ein paar Blockaden. Um den Kopf auszutricksen und Sicherheit zu gewinnen, stiegen wir mit „nur“ 165 kg ein. Die flogen förmlich nach oben. Im zweiten Versuch lagen 180 kg auf (3x Weiß), und im dritten wagten wir uns an die 190 kg. Auch die gingen hoch! Noch einmal 10 kg mehr als im Frühjahr.
Das Fazit
Am Ende des Tages stand ein Total von 435 kg. Ich konnte mich im Vergleich zur Oberbayerischen Meisterschaft im Mai also um satte 25 kg steigern. Ich bin wahnsinnig zufrieden und stolz auf dieses Ergebnis.
Es hat mir gezeigt: Anker sind wichtig, um im Alltag nicht unterzugehen. Aber wenn man wachsen will, braucht es Struktur, smarte Anpassungen (wie den neuen Trainingsplan) und ab und zu einfach den Mut, auf die Bühne zu gehen und zu heben.