Wenn das Leben dazwischengrätscht: Warum du keine Disziplin brauchst, sondern Anker

Geschrieben am 2026-08-04

Blick hinter die Kulissen: Auf diesem Blog geht es meistens darum, wie man mit vielen kleinen Stellschrauben Stück für Stück gesünder, fitter und stärker wird. Aber zur Wahrheit gehört auch: Bei mir läuft nicht immer alles perfekt.

Seit etwa einem Monat stecke ich beruflich in einer neuen Rolle. Mein bisheriges Projekt wurde stark heruntergefahren, dafür gab es einen ganzen Haufen neuer, extrem spannender, aber eben auch herausfordernder Aufgaben. Einarbeitung, Zusammenhänge verstehen, Kontakte knüpfen, Systeme organisieren – mein Kopf läuft aktuell auf Hochtouren.

Das Ergebnis? Nach Feierabend bin ich oft völlig platt. Und trotzdem erwische ich mich abends dabei, wie ich noch private To-Dos abarbeite, Arbeitsdokumente lese oder Kalender pflege. Hätte ich in dieser Phase kein System, das mich bremst, würde ich vermutlich rund um die Uhr durcharbeiten und meine Gesundheit komplett an die Wand fahren.

Doch mein System greift. Nicht, weil ich gerade unendliche Disziplin besitze – die ist abends schlichtweg aufgebraucht –, sondern weil ich mir in den letzten Jahren Anker gebaut habe.

Die Anker-Strategie: Das Basisprogramm läuft weiter

Anker sind äußere Verpflichtungen oder feste Routinen, die dein Gesundheits-Basisprogramm aufrechterhalten, selbst wenn deine Motivation im Tiefschlaf liegt.

Bei mir sehen diese Anker aktuell so aus:

  • Der Lauftreff (Verantwortung als Anker): Zweimal die Woche stehe ich als Lauftrainer im Verein auf dem Platz. Ich kann nicht einfach absagen, weil ich müde bin – die Läufer*innen erwarten mich. Was sie vielleicht gar nicht wissen: Indem sie da sind und meine Unterstützung erwarten, kümmern sie sich gleichzeitig um mich. Sie zwingen mich an die frische Luft.
  • Der Personal Trainer (Verbindlichkeit als Anker): Ein fester Termin einmal pro Woche. Ich schaffe es aktuell nicht, zusätzlich unter der Woche alleine ins Fitnessstudio zu gehen. Aber diese zwei Stunden bei ihm stehen felsenfest. Die Glut brennt weiter, der Faden reißt nicht ab, und der Wiedereinstieg wird später tausendmal leichter sein.
  • Das Fahrrad (Setup als Anker): Das Rad ist mein Standard-Verkehrsmittel in der Stadt. Wenn ich Besorgungen machen muss, fahre ich Rad – nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern aus reiner Praktikabilität. So sammle ich ganz beiläufig Bewegungskilometer.
  • Das Umfeld (Sozialer Anker): Wenn ich mich heute mit Freunden treffe, trinken wir nicht mehr nur Kaffee und essen Kuchen. Wir verabreden uns zum Sport – und gehen danach vielleicht noch etwas trinken.

Der Gegenbeweis: Beim Schwimmtraining habe ich aktuell keinen externen Anker. Keinen festen Partner, keine Trainerrolle. Die Konsequenz? Das Schwimmen ist im stressigen Arbeitsalltag sofort hinten runtergefallen. Ein besseres Plädoyer für feste Anker gibt es kaum.

Warum mein aktueller Stillstand eigentlich ein Riesenerfolg ist

Anfang des Jahres lief es beim Abnehmen richtig gut. Aktuell stagniere ich. Vor ein paar Jahren hätte mich das frustriert. Heute sehe ich das völlig anders: Es ist der beste Beweis dafür, dass mein System funktioniert!

Ich habe mir in der Vergangenheit oft die Frage gestellt: „Kann es wirklich sein, dass diese winzigen Stellschrauben den Unterschied machen? Liegt es wirklich am Essenstagebuch, am langsameren Essen, an den Atemübungen gegen Stress und den festen Mahlzeiten-Intervallen?“

Jetzt habe ich die Antwort: Ja, exakt daran liegt es.

Da durch die vielen Meetings bei der Arbeit die festen Mahlzeiten-Intervalle aktuell wackeln und ich weniger Zeit für das genaue Notieren habe, ist der Gewichtsverlust gestoppt. Das ist keine Niederlage, sondern das Reallabor meiner eigenen Veränderung. Ich kenne die Stellschrauben genau. Ich weiß, wo ich wieder ansetzen muss, sobald sich der Rauch im Job etwas gelegt hat.

Der Blick nach vorne

Langsam bringt die Einarbeitung Struktur. Die vielen einzelnen Punkte im Job verbinden sich zu klaren Linien, der Überblick kommt zurück und der Kopf wird wieder freier.

Aufgabe 1 war es, das berufliche Chaos zu ordnen und mit meinen Ankern das Basisprogramm zu sichern.

Aufgabe 2 wird jetzt sein, mein Leben drumherum Schritt für Schritt wieder aktiv nach meinen Regeln zu organisieren.

Perfektion ist nicht das Ziel. Ein solides Fundament, das auch stürmische Phasen übersteht – das ist der Schlüssel.