5 Tage bis zum Tag X: Singlets, Schweiß und das Unbekannte

Geschrieben am 2026-05-11

Heute ist Montag, der 11. Mai 2026. In genau fünf Tagen stehe ich zum ersten Mal auf einer Wettkampfbühne. Die Oberbayerische Meisterschaft im Kraftdreikampf wartet. Hinter mir liegt das letzte schwere Training mit meinem Trainer Volkmar, vor mir liegt das große Unbekannte.

Das Wiegen: Souveränität in Unterwäsche

Samstagmorgen, 8:00 Uhr: Das offizielle Wiegen. Früher wäre das für mich ein absoluter Albtraum gewesen. Mit 121 kg Körpergewicht war mir jede Situation unangenehm, in der jemand meine „Körperform“ hätte beurteilen können. In der Umkleidekabine konnte es mir nicht schnell genug gehen, wieder ein T-Shirt überzuziehen.

Heute ist das anders. Ich wiege mich zu Hause nackt und liege stabil unter dem Limit meiner Gewichtsklasse von 93,0 kg. Wenn ich am Samstag in Unterwäsche auf die Waage steige, werde ich nicht nach dem nächsten T-Shirt suchen. Ich bin stolz auf meinen Körper und das, was ich erreicht habe. Auch wenn er keine „Idealmaße“ hat und ich merke, dass die Haut am Bauch und unter den Oberarmen nach der Abnahme nicht mehr ganz so straff ist wie früher – ich fühle mich souverän und stehe zu meinem Weg.

Die Generalprobe: SBD (Squat, Bench, Deadlift)

Letzten Samstag haben wir den Ernstfall geprobt: Einzelwiederholungen (Singles), um die Startgewichte festzulegen.

  • Kniebeuge (Squat): Ich hatte Respekt. Nach einem Fahrradsturz im Februar zwickte das linke Bein bei hoher Last. Doch im Rack passierte es: 155 kg. Neue persönliche Bestleistung (PB)! Es fühlte sich schwer an, aber mein Kopf sagte danach: „So schlimm, wie du dachtest, war es gar nicht“.

  • Bankdrücken (Bench): Traditionell meine größte Baustelle. Mit meinen langen Armen – super für das Kreuzheben, schwierig für die Bank – kämpfe ich um jedes Kilo. Mein bisheriger PB liegt bei 82,5 kg auf 5 Wiederholungen. Im Training am Samstag habe ich die 80 kg als Single bestätigt. Mein Ziel für den Wettkampf: Sicher mit 75 kg einsteigen und dann schauen, was nach oben noch geht.

  • Kreuzheben (Deadlift): Hier war es zuletzt ein mentaler Kampf. Mein alter Rekord von 180 kg lag fast zwei Jahre zurück. Wir haben den Griff gewechselt (vom Hook-Grip zum alternierenden Griff), und siehe da: Die 180 kg gingen wieder hoch. Es war technisch nicht perfekt, aber es war ein Sieg des Kopfes über den Zweifel.

Kniebeuge (155 kg)
Bankdrücken (80 kg)
Kreuzheben (180 kg)

Im Singlet vor die Jury

Und dann ist da noch die Sache mit dem Singlet. Diese hautengen Einteiler lassen keinen Spielraum für Fantasie – man sieht jede Veränderung am Körper, die Muskeln, aber eben auch die verbliebenen Polster. Ich musste an Matthias Steiner denken, der 2008 in Peking Gold holte und für mich der erste Beweis war, dass man auch mit mehr Gewicht krasse sportliche Leistungen bringen kann. Mein Trainer Volkmar war beim ersten Anprobieren vor zwei Wochen positiv überrascht: Es sieht gut aus, ich kann es tragen.

Das Ziel: Einfach mal ein „Total“

Es geht am Samstag nicht um Weltrekorde. Es geht darum, mein erstes „Total“ zu bekommen, den Ablauf eines Wettkampfs zu lernen und die Atmosphäre aufzusaugen. Ohne Volkmar, der mich durch diesen Dschungel aus Kommandos und Techniken leitet, wäre ich verloren.

Noch fünf Tage. Ich bin bereit, schwer aktiv zu sein.