Wir kennen sie alle: Die guten Vorsätze im Januar, die in einer Fitnessstudio-Mitgliedschaft enden, die man nach drei Wochen nur noch monatlich per Bankeinzug besucht. Ich war jahrelang der inoffizielle Weltmeister im „Zahlen, ohne hinzugehen“. Heute weiß ich: Mir fehlte nicht der Wille, sondern das richtige System – und ein Trainer, der mich durchschaut.
Die Ära der „Karteileiche“ (1990er – 2022)
Mein Weg mit dem Kraftsport war eine lange Serie von Fehlstarts:
- Der Stuttgarter Klassiker: Ende der 90er startete ich in einem Studio in der Stadtmitte. Die S-Bahn-Fahrt von Vaihingen war zu lang, die Maschinen-Pläne zu monoton – ich gab schnell auf.
- Die Sauna-Falle: Später in München wohnte ich direkt neben einem Studio. Der kurze Weg half, aber am Ende ging ich nur noch für das Laufband bei schlechtem Wetter und die Sauna hin. Als Student war das irgendwann finanziell nicht mehr drin.
- Der morgendliche „Slump“: Nach dem Studium versuchte ich es in Forstenried erneut. Ich verabredete mich sogar um 6:00 Uhr morgens, um mit einem Freund zum Training zu fahren. Das Ergebnis? Ich hing den restlichen Tag völlig erschlagen im Drehstuhl vor dem Computer.
- Das 24-Monats-Gespenst: Im Februar 2020 schloss ich online einen Vertrag bei Fitstar in Pasing ab (inklusive Solariumsflat!). Wegen eines eingewachsenen Zehennagels und mangelnder Motivation zahlte ich über zwei Jahre lang jeden Monat, ohne das Studio auch nur ein einziges Mal von innen zu sehen.
Die „bescheuerte“ Idee im Oktober 2022
Bei einem Termin in der Sportmedizin bei Prof. Halle erzählte ich von meiner fixen Idee: Ich merkte beim Laufen meinen Rücken und wusste, ich brauche Kraft. Aber ich kannte mich selbst gut genug: Ohne äußeren Zwang würde ich nicht gehen.
Ich schlug der Ärztin vor, mich in einem deutlich teureren Studio anzumelden, bei dem wöchentliches Personal Training (PT) im Preis enthalten ist. Meine Hoffnung: Die Verpflichtung gegenüber dem Trainer würde mich zum Hingehen zwingen. Die Ärztin fand die Idee großartig – ich selbst dachte: „Ist das bescheuert? Du zahlst seit zwei Jahren für nichts und willst jetzt den sechsfachen Preis ausgeben?“
Treffen mit Volkmar: „Nie und nimmer…“
Ich zog es durch, kündigte das alte Studio und landete im Ambiance Sports&Spa bei Trainer Volkmar. Ich erzählte ihm von meinen 121 kg, meinem Wunsch abzunehmen und der Hoffnung, irgendwann einen Marathon zu laufen.
Volkmar war direkt: „Abnehmen passiert in der Küche, nicht nur durch Sport“. Was er mir damals verschwieg, aber Jahre später lachend erzählte: Als ich ihm von meinen Marathon-Plänen erzählte, dachte er sich nur: „Nie und nimmer wird das was“.
Der Durchbruch: Vom Schatten ins Licht
Am 1. November 2022 ging es los. Volkmar holte mich aus der Komfortzone der Maschinen direkt in den Freihantelbereich – eine Ecke, die ich früher als „gefährlich“ gemieden hatte.
Die Anleitung durch einen Profi änderte alles:
- Keine Langeweile: Wir starteten mit Balance- und Koordinationsübungen und tasteten uns Schritt für Schritt vor.
- Kein Übertraining: Statt mich in den Muskelkater zu schießen, gab mir Volkmar genau vor, wann wir die Lasten steigern.
- Kopf-Arbeit: Wenn mein Kopf beim Erlernen neuer Abläufe blockierte, war er da, um mich durchzuleiten.
Fazit: Kraftsport als Lebensretter
Heute ist Kraftsport meine Hauptsportart. Seit ich einen Personal Trainer habe, habe ich keine Woche Training verpasst. Egal, was das Leben mir vor die Füße warf – ob ein gebrochenes Handgelenk im Gips, eine OP am Discus oder Rippenprellungen nach Radstürzen – Volkmar fand immer Übungen, die ich trotzdem machen konnte. Das gab mir das Gefühl, nicht eingeschränkt zu sein.
Ich bin heute nicht mehr dort, um nur das Laufen zu unterstützen. Ich bin dort, weil es mir Spaß macht. Und ja, manchmal erinnere ich Volkmar im Scherz daran, dass ich eigentlich nur hier bin, um mich selbst zu überlisten. Aber wenn ich heute die Hantel in die Hand nehme, weiß ich: Es war die beste „bescheuerte“ Idee meines Lebens.